Persönlichkeitsentwicklung: sieben Bücher für drei Probleme

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Warum viele das falsche Buch kaufen

Wer sich vornimmt, "an sich zu arbeiten", hat meist eines von drei Problemen, und von innen fühlen sie sich gleich an. Das erste: Der Kalender ist voll mit Dingen, zu denen du Ja gesagt hast, ohne es zu wollen, und für das Eigene bleibt kein Platz. Das zweite: Du weißt genau, was du willst, früher aufstehen, regelmäßig laufen, endlich schreiben, und tust es drei Wochen lang, dann nicht mehr. Das dritte: Du willst, du weißt, du hast dir die Stunde sogar freigehalten, und trotzdem ist sie weg, weil das Handy auf dem Tisch lag. Der Buchhandel stellt alle drei in ein Regal mit der Aufschrift Persönlichkeitsentwicklung, und genau deshalb kaufen viele das falsche Buch.

Diese Auswahl sortiert sieben bekannte Titel nach den drei Problemen: Prioritäten, Gewohnheiten, Ablenkung. Jedes Buch hat eine deutsche Ausgabe, die wir geprüft haben, und zu den meisten stehen öffentliche Aussagen von Lesern mit Namen direkt neben dem Buch. Die Grenzen zwischen den drei Gruppen sind nicht sauber: Mehrere dieser Bücher behandeln zwei der drei Probleme. Wer das weiß, braucht meist nur eines.

Der Kalender ist voll

Essentialismus von Greg McKeown

Essentialismus

Greg McKeown · Original: Essentialism: The Disciplined Pursuit of Less

Unimedica / Narayana 2018 · 304 Seiten · ISBN 9783962570378

Bei diesem Problem fängst du mit McKeown an. Das Buch hat eine einzige These, und das erste Kapitel nennt ihren Ursprung: Dieter Rams, viele Jahre Chefdesigner bei Braun, entwarf mit 24 einen Plattenspieler mit nichts als einer durchsichtigen Haube darüber, und sein Grundsatz "Weniger, aber besser" ist McKeowns Definition von Essentialismus. Der Rest ist in vier Teile gegliedert: Essenz (die Haltung), Erforschen, Eliminieren, Ausführen. Der vierte Teil handelt davon, wie das Ausgewählte dann auch geschieht, mit Kapiteln wie "Subtrahieren: Mehr erreichen durch die Beseitigung von Hindernissen" und "Fortschritte: Die Macht kleiner Erfolge". Das sind gut 70 Seiten Umsetzung in einem Buch, das die meisten nur zum Aussortieren kaufen.

Drew Scott, bekannt aus der Fernsehserie Property Brothers, beschreibt die typische Wirkung: Nach der Lektüre wusste er, dass er zu viel machte und sich keine Zeit zur Erholung ließ; die Umsetzung, schreibt er, verlange ständige Übung. Für wen: für alle, deren Woche aus Zusagen besteht, die sie im Nachhinein bereuen, und die eine Begründung brauchen, um Dinge wegzulassen. Zur Ausgabe: Die deutsche Übersetzung erscheint bei Unimedica, einem Imprint des Narayana Verlags, der vor allem Bücher zu Homöopathie und Alternativmedizin verlegt. Am Buch ändert das nichts: Es ist McKeowns Text, übersetzt.

Die 7 Wege zur Effektivität von Stephen R. Covey

Die 7 Wege zur Effektivität

Stephen R. Covey · Original: The 7 Habits of Highly Effective People

GABAL 2018 · 416 Seiten · ISBN 9783869368948

Covey stellt die Frage eine Stufe früher. McKeown fragt, welche der vielen Anfragen du annimmst; Covey fragt, wonach du überhaupt entscheidest. Seine sieben Wege heißen in der GABAL-Ausgabe: Pro-aktiv sein, schon am Anfang das Ende im Sinn haben, das Wichtigste zuerst tun, erst verstehen und dann verstanden werden, Win-Win denken, Synergien schaffen, die Säge schärfen. Die Wege vier bis sechs handeln vom Umgang mit anderen Menschen, und dafür gibt es in dieser Auswahl sonst nichts. Anthony Iannarino, Vertriebsautor, sagt genau das: kein Vertriebsbuch, aber eines, das seine Ergebnisse verbessert, und eigentlich ein Buch fürs Leben. Scott McGillivray greift den Win-Win-Gedanken heraus. Der Preis ist der Umfang: 416 Seiten, drei Übersetzer, ein Original von 1989. Für ein einzelnes Vorhaben ist das ein Umweg; wer nicht nur den Kalender, sondern auch die Zusammenarbeit mit Kollegen und Familie nach denselben Grundsätzen ordnen will, nimmt ihn in Kauf. Fazit: Bei "zu viel" McKeown, bei "wonach überhaupt" Covey. Beide hintereinander braucht niemand.

Die subtile Kunst des Daraufscheißens von Mark Manson

Die subtile Kunst des Daraufscheißens

Mark Manson · Original: The Subtle Art of Not Giving a F*ck

mvg 2017 · 224 Seiten · ISBN 9783868828115

Manson gibt auf die Prioritätenfrage die dritte Antwort, und sie kommt ohne Kalender aus. Sein erstes Kapitel heißt "Versuche es nicht!" und beginnt mit Charles Bukowski, der dreißig Jahre lang von fast jedem Verlag abgelehnt wurde und auf dessen Grabstein genau dieser Satz steht. Von dort aus argumentiert Manson, dass der Wunsch nach mehr Positivem selbst das Problem ist (er nennt das, nach Alan Watts, das "Gesetz der Umkehrung") und dass die eigentliche Kunst darin besteht, "auf der Grundlage deiner selbst gewählten persönlichen Wertmaßstäbe" auszuwählen, was dir wichtig ist. Ein späteres Kapitel heißt "Neinsagen ist alles". Das ist McKeowns Thema, geschrieben für Leser, die sich von Ratgebern eher unter Druck gesetzt fühlen, und für die ist es das Buch: Wer "noch eine Gewohnheit, noch ein Prinzip" nicht mehr hören kann und zuerst klären will, wofür sich die Anstrengung überhaupt lohnt, fängt hier an.

Jason Kander, US-Politiker und Veteran, hat es auf Anregung seines Therapeuten bei der Veteranenbehörde gelesen und sprach danach in einem Gespräch über psychische Gesundheit darüber. Brittany Wagner zitiert die Stelle, an der Manson erklärt, dass Menschen erst dann gut werden, wenn sie akzeptieren, noch nicht gut zu sein. Der derbe Ton ist Programm, und eine Methode liefert das Buch nicht. Zur Ausgabe: Die Übersetzung duzt und trifft damit Mansons Ton; den Titel schreibt selbst der Verlag mal "Daraufscheißens", mal "darauf Scheißens".

Das Vorhaben hält nicht

Die 1%-Methode von James Clear

Die 1%-Methode

James Clear · Original: Atomic Habits

Goldmann 2020 · 368 Seiten · ISBN 9783442178582

Wenn du nur ein Buch aus dieser Auswahl liest und dein Vorhaben schon einen Namen hat, nimm Clear. Die Rechnung, die dem deutschen Titel den Namen gibt, steht auf Seite 28: Wer sich ein Jahr lang jeden Tag um ein Prozent verbessert, ist am Ende siebenunddreißigmal besser; wer sich jeden Tag um ein Prozent verschlechtert, landet fast bei null. "Gewohnheiten sind der Zinseszins der Selbstoptimierung." Das erste Kapitel erzählt, wie British Cycling unter Dave Brailsford mit weiß gestrichenen Lkw-Wänden, dem passenden Kissen und hundert anderen Kleinigkeiten von einem Team ohne einen einzigen Tour-de-France-Sieg zu fünf Siegen in sechs Jahren kam. Danach ist das Buch streng gebaut: vier Gesetze (eine Gewohnheit muss offensichtlich, attraktiv, einfach und befriedigend sein), darunter die Zwei-Minuten-Regel gegen das Aufschieben und der Gedanke, dass eine Gewohnheit hält, wenn sie zu dem passt, wer du sein willst.

Ali Abdaal, Arzt und YouTuber, nennt es eines seiner liebsten Sachbücher; Fadzayi Mahere hebt die praktischen Tipps hervor; Biz Stone, Mitgründer von Twitter, empfahl es schon während der Lektüre. Clear selbst schreibt in der Einführung, seine Methode wirke "ganz gleich, wo Sie anfangen oder was Sie ändern wollen". Er beginnt also bei einer Gewohnheit, die schon einen Namen hat; wer den noch sucht, liest zuerst McKeown. Die Übersetzung von Annika Tschöpe siezt; der Anhang überträgt die vier Gesetze auf Unternehmen und auf die Erziehung.

Selbstbild von Carol Dweck

Selbstbild

Carol Dweck · Original: Mindset

Piper 2017 · 320 Seiten · ISBN 9783492311229

Dweck beantwortet eine Frage, die Clear offen lässt: was in deinem Kopf passiert, wenn der Plan zum ersten Mal nicht aufgeht. Ihre Unterscheidung ist in dreißig Jahren Forschung entstanden, und der Verlag bringt sie auf einen Satz: Es komme nicht darauf an, was wir können, sondern darauf, wie wir uns selbst sehen. Wer Fähigkeiten für festgelegt hält (statisches Selbstbild), liest einen Fehlschlag als Urteil und hört auf; wer sie für entwickelbar hält (dynamisches Selbstbild), liest ihn als Information. Danica Patrick, ehemalige Rennfahrerin, beschreibt, warum das Buch breiter ist als ein Ratgeber: Es lässt sich auf Beziehungen, Mitarbeiter, Wettkampf und Kinder anwenden, weil es eine Denkweise beschreibt und keine Technik. Kimberly D. Manning, Professorin für Medizin, zählt es zu ihren Lieblingsbüchern. Die Piper-Ausgabe ist die aktualisierte und erweiterte Fassung, übersetzt von Jürgen Neubauer; der Verlag verspricht Forschung und Praxisübungen, keinen Plan für den Alltag. Für wen: für alle, die nach dem ersten Rückschlag aufhören und nicht wissen, warum, und für Eltern und Vorgesetzte, die anderen beim Weitermachen helfen wollen. Fazit: Dweck vor Clear, wenn dein Problem das Aufgeben ist; Clear vor Dweck, wenn dir nur die Mechanik fehlt.

Die Zeit verschwindet trotzdem

Konzentriert arbeiten von Cal Newport

Konzentriert arbeiten

Cal Newport · Original: Deep Work

Redline 2017 · 272 Seiten · ISBN 9783868816570

Newport beginnt mit einem Turm. Carl Gustav Jung ließ sich 1922 in Bollingen am Zürichsee ein Steinhaus bauen, schrieb dort morgens zwei Stunden ohne Unterbrechung und ging um zehn schlafen, und er tat das nicht als Flucht vor der Arbeit, sondern um sie voranzubringen. Daraus leitet Newport seinen Begriff ab: Deep Work ist berufliche Arbeit in ablenkungsfreier Konzentration, die neuen Wert schafft und sich schwer kopieren lässt; Shallow Work ist alles, was sich auch unterbrochen erledigen lässt. Schon die Definition macht es zu einem Buch über den Beruf. Eine McKinsey-Studie von 2012, die er zitiert, beziffert den Anteil von elektronischer Kommunikation und Internetsuche an der Woche eines Wissensarbeiters auf über 60 Prozent. Der zweite Teil besteht aus vier Regeln, und ihre deutschen Titel sagen schon, wie streng es ist: "Konzentriert arbeiten", "Willkommen, Langeweile", "Verlassen Sie die digitalen sozialen Netzwerke", "Legen Sie seichte Tümpel trocken". Dazwischen steht Newports Kritik an der "Any-Benefit"-Haltung, also an der Gewohnheit, ein Werkzeug zu nutzen, sobald es irgendeinen Nutzen verspricht. Fazit: Nimm Newport, wenn dein Problem der Arbeitstag ist und du dort zwei oder drei Stunden am Stück brauchst, die dir niemand lässt. Kurtis Hanni, CFO und Podcaster, beschreibt genau das: Das Buch habe seine Art zu arbeiten komplett verändert, kein neuer Trick, sondern ein anders gebauter Tag.

Die Kunst, sich nicht ablenken zu lassen von Nir Eyal

Die Kunst, sich nicht ablenken zu lassen

Nir Eyal · Original: Indistractable

Redline 2019 · 240 Seiten · ISBN 9783868817546

Eyal fängt dort an, wo Newports Regeln nicht hinreichen: beim Abend mit dem Kind. Er erzählt gleich zu Beginn, wie er seine Tochter mit "Nur eine Sekunde" abwimmelte, weil er etwas auf dem Handy erledigen wollte, und wie sie weg war, als er aufsah. Sein erster Versuch war ein Digital Detox mit Klapphandy und gedruckter Zeitung, und er scheiterte: "Ich ersetzte lediglich eine Ablenkung durch eine andere" (Seite 15). Daraus folgt der Aufbau in vier Teilen: Ablenkung kommt von innen, also beginnt Teil 1 bei den inneren Auslösern; Teil 2 plant die Zeit für das, was Eyal Antrieb nennt; Teil 3 entfernt äußere Auslöser; in Teil 4 schließt du Pakte mit dir selbst. Dahinter folgen drei kürzere Teile über Arbeitsplatz, Kinder und Beziehungen. Die Übersetzung merkt in einer Fußnote an, dass die Gegenüberstellung von traction und distraction im Englischen noch besser funktioniert als Antrieb und Ablenkung.

Auf Seite 16 steht der Satz, der Eyal zurück zur Prioritätenfrage führt: "Sie können nichts als Ablenkung bezeichnen, wenn Sie nicht wissen, wovon es ablenkt." Teil 2 beginnt deshalb bei den eigenen Werten; wer McKeown gelesen hat, hat diese Vorarbeit schon. Jonathan Haidt, Sozialpsychologe, widerspricht Eyal ausdrücklich in der Frage, ob Smartphones an der Zunahme von Depressionen bei Jugendlichen mitschuld sind, und empfiehlt das Buch trotzdem wegen seiner Ideen für den Umgang mit dem eigenen Handy. Alexis Ohanian, Mitgründer von Reddit, empfiehlt es allen Gründern seines Fonds; Bertalan Meskó nennt es ein Muss. Für wen: für alle, denen das Handy Zeit nimmt, die für Arbeit, Kinder oder Partner gedacht war, und die Verbote schon ausprobiert haben. Fazit: Eyal vor Newport, wenn die Ablenkung bis ins Privatleben reicht; Newport vor Eyal, wenn du für deine Arbeit lange Denkblöcke brauchst und der Rest des Tages in Ordnung ist.

Womit du anfängst

Die Reihenfolge ergibt sich aus dem Problem, nicht aus dem Regal. Wenn der Kalender das Problem ist: erst McKeown, und sein vierter Teil reicht vielen als Anleitung zur Umsetzung. Wenn das Vorhaben klar ist und nur nicht hält: erst Clear, und Dweck nur, wenn du nach dem ersten Rückschlag aufgibst. Wenn die Zeit freigehalten ist und trotzdem verschwindet: Eyal, oder Newport, falls es allein um den Arbeitstag geht. Covey ist das Buch für alle, die kein einzelnes Problem, sondern einen Rahmen für alle drei wollen, und Manson das Buch für alle, die zuerst wissen wollen, ob das Ziel überhaupt ihres ist. Passt dein Vorhaben in keine der drei Gruppen, weil es an einen Beruf, eine Diagnose oder eine Lebensphase gebunden ist, die kein Sachbuch abdeckt, dann schreibt dir TailoredRead, unser eigener Dienst, ein Buch zu genau diesem Vorhaben; das Buch ist kostenpflichtig und auf Englisch. Wer dagegen nach Dweck bei der Frage landet, wie Denken und Gefühl zusammenhängen, ist in unserer Auswahl zur Psychologie besser aufgehoben als hier.