Finanzbücher für den Anfang, für ETFs und fürs Ausgeben

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Die meisten bekannten Finanzbücher sind amerikanisch, und das merkt man an den Stellen, an denen es konkret wird. Kein übersetztes Buch erklärt dir, ob sich ein Bausparvertrag noch lohnt oder welche Versicherungen du wirklich brauchst. Für die Grundlagen ist das egal. Für den ersten Schritt ist es das nicht.

Deshalb stehen hier sieben Bücher in vier Gruppen: womit du anfängst, warum breit gestreute Indexfonds die übliche Antwort sind, wie viel du wann ausgibst, und was du brauchst, wenn du doch einzelne Aktien bewerten willst. Zwei der sieben sind auf Deutsch geschrieben, die anderen fünf sind Übersetzungen.

Der erste Schritt in Deutschland

Das einzige Buch, das Du über Finanzen lesen solltest von Thomas Kehl und Mona Linke

Das einzige Buch, das Du über Finanzen lesen solltest

Thomas Kehl und Mona Linke

Ullstein Taschenbuch 2022 · 288 Seiten · ISBN 9783548065847

Das ist das Buch für den ersten Schritt in Deutschland, und der Titel ist eine Übertreibung, die man ihm nachsieht. Kehl und Linke gehen neun Kapitel durch, und die ersten beiden sind wichtiger als der ganze Rest.

Kapitel 1 heißt "Sieben finanzielle Denkfehler" und beginnt auf Seite 15. Es räumt der Reihe nach ab: Die Rente wird schon irgendwie reichen. Ohne Finanzberater geht es nicht, auf Seite 32. Was alle machen, wird schon richtig sein, auf Seite 40. Kapitel 2 ab Seite 45 wird praktisch, mit Zielen, einer Bestandsaufnahme der eigenen Finanzen ab Seite 57, dem Sparen ab Seite 62, Schulden ab Seite 71 und dem Abschnitt "Diese Versicherungen brauchst du wirklich" ab Seite 76.

Genau hier liegt der Unterschied zu allem anderen auf dieser Liste. Kapitel 3 behandelt ab Seite 89 die Klassiker: Girokonto, Sparbuch und Tagesgeld als das, was sie sind, dann Lebensversicherung und Bausparvertrag ab Seite 93. Kapitel 4 ab Seite 107 stellt die Frage "Mieten oder kaufen?". Das sind deutsche Produkte und deutsche Fragen, und ein übersetztes Buch hat dazu nichts zu sagen.

Danach kommen Aktien ab Seite 127 und ETFs. Das Buch duzt durchgehend. Fazit: Nimm es, wenn du bei null anfängst und in Deutschland lebst. Wer schon ein ETF-Depot hat, überspringt es.

Housel schreibt über dasselbe Thema und erwähnt kein einziges Produkt. Seine Einleitung auf den Buchseiten 11 bis 16 stellt zwei Menschen nebeneinander: einen Hausmeister, der ein Millionenvermögen hinterließ, und einen Harvard-Absolventen, der in der Finanzkrise bankrottging.

Daraus zieht er die Annahme, auf der das ganze Buch steht. Anlegen ist ein Soft Skill. Verhalten zählt mehr als Wissen. Das erklärt, warum jemand ohne Ausbildung reich sterben kann und jemand mit der besten Ausbildung nicht.

Jeff Richards, Managing Partner bei GGV Capital, bringt die Zusammenfassung, die den meisten zu simpel vorkommt: mehr sparen und geduldiger sein. Genau deshalb funktioniert sie so selten. Shreyas Doshi nennt es eines der besten Bücher seiner letzten fünf Jahre und wünscht sich, es hätte in seinen Zwanzigern existiert. James Clear, Autor von Atomic Habits, hält es für Pflichtlektüre.

Fazit: Finanzfluss oder Housel? Kehl und Linke sagen dir, was du tun sollst. Housel sagt dir, warum du es nicht tust. Wenn du seit drei Jahren weißt, was zu tun wäre, und es nicht tust, fang bei Housel an. 224 Seiten, kein Produkt, keine Anleitung.

Warum breit gestreute Indexfonds

Bogle hat den ersten Indexfonds für Privatanleger aufgelegt, und dieses Buch ist seine Begründung. Sie steht in einer Parabel im ersten Kapitel, auf den Buchseiten 25 bis 32.

Die Familie Gotrocks besitzt alle Aktien. Solange sie sie einfach hält, fließt ihr der gesamte Ertrag zu. Dann kommen Makler, Verwalter und Berater dazu, und der Anteil der Familie schrumpft, obwohl die Unternehmen dasselbe verdienen. Daraus folgt die einzige Botschaft des Buchs: Halte die Kosten für Finanzvermittler so niedrig wie möglich.

Warren Buffett hat in einem Aktionärsbrief von Berkshire Hathaway geschrieben, die meisten Berater seien besser darin, hohe Gebühren zu erzeugen als hohe Renditen, und Anleger sollten statt auf ihre Sirenengesänge lieber auf Bogle hören. Andrew Lokenauth nennt es eine gute Erklärung dafür, warum passives Investieren langfristig funktioniert.

Für wen: für alle, die verstehen wollen, warum die Antwort so langweilig ist. 300 Seiten für ein Argument, das in einem Satz passt, aber erst überzeugt, wenn man die Rechnung gesehen hat.

Kommer macht dasselbe Argument für den deutschen Leser, mit Belegen und in der Länge eines Nachschlagewerks. Das Buch hat 552 Seiten, und es liest sich nicht in einem Zug.

Kapitel 1 heißt "Wie die Wertpapiermärkte tatsächlich funktionieren" und beginnt auf Seite 16 mit den Renditen der wichtigsten Anlageklassen von 1900 bis 2023, also über 124 Jahre. Abschnitt 1.2 zeigt ab Seite 25 die enttäuschende Leistung von Profiinvestoren. Abschnitt 1.3 auf Seite 34 erklärt, warum mehr als die Hälfte aller aktiven Anleger per Mathematik schlechter abschneiden muss als der Markt. Auf Seite 53 folgt ein Abschnitt mit dem Titel "Investmentpornografie".

Kapitel 2 ab Seite 58 behandelt Risiko und zählt zwanzig Risikokonzepte auf, die Privatanleger kennen sollten, darunter Korrelation, Zeitdiversifikation und das Klumpenrisiko. Das ist der Teil, den die kürzeren Bücher weglassen.

Kommer siezt seine Leser. Fazit: Bogle oder Kommer? Bogle überzeugt dich in einer Parabel. Kommer belegt dasselbe mit Zahlen und rechnet es für ein deutsches Depot durch. Wenn du überzeugt bist und die Umsetzung suchst, ist Kommer das Buch, das neben dem Rechner liegt.

Wie viel, und wann ausgeben

Just Keep Buying von Nick Maggiulli

Just Keep Buying

Nick Maggiulli

FinanzBuch Verlag 2023 · 288 Seiten · ISBN 9783959726467

Maggiulli beantwortet die Frage, die nach der ETF-Entscheidung übrig bleibt. Die Leseprobe umfasst die Buchseiten 7 bis 16 und trennt das Thema sauber in zwei Hälften: Sparen und Investieren. Das erste Kapitel beginnt mit der Frage, welche der beiden bei dir gerade im Vordergrund stehen sollte.

Seine Antwort steckt im Titel. Regelmäßig in eine breit gestreute Auswahl einkommensgenerierender Anlagen investieren, unabhängig vom Zeitpunkt. Das ist bewusst kein Timing-Modell, und der Verzicht darauf ist das Argument.

Morgan Housel, dessen eigenes Buch weiter oben steht, schreibt über Maggiulli, es gebe viele gute Datenwissenschaftler und viele gute Erzähler, aber wenige, die beides könnten. Jim O'Shaughnessy nahm eine Podcastfolge mit ihm auf und hebt hervor, dass die besten Antworten aus der Analyse der Daten kommen. Brian Feroldi bekam ein Vorabexemplar und nannte es großartig.

Für wen: für alle, die investieren, aber jeden Monat neu überlegen, ob gerade ein guter Zeitpunkt ist.

Die with zero von Bill Perkins

Die with zero

Bill Perkins

FinanzBuch Verlag 2024 · 288 Seiten · ISBN 9783959727730

Perkins dreht die Frage um. Alle anderen Bücher hier handeln vom Anhäufen. Dieses handelt vom Ausgeben, und zwar zum richtigen Zeitpunkt im Leben.

Das Buch ist streng gebaut: Jedes Kapitel enthält genau eine nummerierte Regel. Kapitel 1 ab Seite 9 heißt "Optimieren Sie Ihr Leben", und Regel 1 lautet, positive Lebenserfahrungen zu maximieren. Kapitel 2 ab Seite 33 sagt, früh damit anzufangen. Kapitel 3 ab Seite 59 bringt die Titelregel, mit null zu sterben. Kapitel 5 ab Seite 109 stellt die Frage "Was ist mit den Kindern?" und empfiehlt, ihnen Geld dann zu geben, wenn die Wirkung am größten ist. Kapitel 6 ab Seite 143 warnt davor, das Leben im Autopilotmodus zu verbringen.

Brian Feroldi beschreibt genau die Wirkung, für die man es liest: Es ist das letzte Buch, das seine Einstellung zu Geld durcheinandergebracht hat. Barbara Corcoran empfiehlt es allen, die jede Lebensphase auskosten wollen, ohne ihre Mittel zu erschöpfen.

Fazit: Maggiulli, solange du aufbaust. Perkins, wenn du gut sparst und dich fragst, wofür eigentlich. Das Buch siezt.

Wenn du einzelne Aktien bewerten willst

Graham ist der Grund, warum es dieses Fach gibt, und sein Buch ist alt. Wie alt, sieht man am Inhaltsverzeichnis: Kapitel 3 behandelt den Stand der Aktienkurse Anfang 1972.

Deshalb ist die Ausgabe so gebaut, wie sie gebaut ist. Auf jedes Kapitel folgt ein Kommentar, der es einordnet. Die Einleitung "Was dieses Buch erreichen soll" steht auf Seite 17, der Kommentar dazu auf Seite 28. Kapitel 1 ab Seite 35 trennt Geldanlage von Spekulation und rechnet getrennt vor, was ein defensiver Anleger ab Seite 39 und ein offensiver ab Seite 47 erwarten darf. Diese Unterscheidung ist der eigentliche Kern.

Du liest also zwei Bücher gleichzeitig: Graham und seinen Kommentator. Bei 624 Seiten solltest du wissen, dass ungefähr die Hälfte davon nicht von Graham stammt.

Warren Buffett kaufte das Buch 1949 und schreibt, damit habe sich sein finanzielles Leben geändert. Steve Burns nennt es schlicht das beste Investmentbuch, das je geschrieben wurde. Andrew Lokenauth empfiehlt es als Einführung in das Value Investing.

Fazit: Nimm Graham nicht als erstes Finanzbuch. Nimm ihn, wenn du dich bewusst gegen den Indexfonds entscheidest und wissen willst, wie man ein einzelnes Unternehmen bewertet.

Die Reihenfolge

Bei null und in Deutschland: Kehl und Linke. Wenn du weißt, was zu tun ist, und es trotzdem nicht tust, Housel. Beide zusammen sind kein Umweg, weil sie verschiedene Probleme lösen.

Wenn du die Begründung für Indexfonds willst, reicht Bogle. Wenn du sie umsetzen und die Details für ein deutsches Depot nachschlagen willst, Kommer. Beim Ausgeben entscheidet die Lebensphase: Maggiulli beim Aufbauen, Perkins, wenn genug da ist. Graham nur, wenn du einzelne Aktien bewerten willst.

Bleibt eine Frage übrig, die keines dieser sieben Bücher stellt, etwa zur Selbstständigkeit oder zu einem Erbe? Dazu schreibt unser Dienst TailoredRead ein eigenes Buch. Auch das kostet Geld und erscheint auf Englisch. Eine Anlageberatung ist es nicht, und dieser Artikel auch nicht.